Leistungsdruck im Marketing: Wie ich meinen Selbstwert ohne Job definiere

Notizbuch und Laptop auf dem Küchentisch – Reflexion über Leistungsdruck im Marketing und Selbstwert ohne Job

Vierundvierzig ungelesene Mails liegen im Postfach, keine einzige davon eine Kampagnenauswertung oder ein Kunden-Reporting. Nur Jobportale, ein Newsletter, den ich seit Wochen nicht öffne, und eine Recruiter-Nachricht, die mir eine Stelle vorschlägt, die fast genauso klingt wie die, aus der mich der Burnout rausgekippt hat.

Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Ich bin keine Karriereberaterin und keine Therapeutin, nur eine Frau mit einem Notizbuch und zu viel Zeit auf dem Sofa. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu Readings, die ich selbst gebucht habe – wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Mehr dazu auf meiner Über-mich-Seite.

Seit dem Burnout und der Kündigung kurz danach arbeite ich nicht mehr im Marketing. Kein Team mehr, keine Kampagnen, kein Titel auf der Visitenkarte. Was bleibt, ist die Frage, die mich jeden Sonntagabend wieder einholt.

Wer ich bin, wenn niemand mehr fragt, was ich beruflich mache

Die ersten Wochen ohne Job fühlten sich an wie eine Wanderung ohne Karte – ich wusste ungefähr, in welche Richtung es gehen sollte, aber jede Kreuzung hat mich verunsichert. Mein Selbstwert war jahrelang so fest mit meinen Erfolgen im Marketing verwoben, dass ich ohne diesen Rahmen dachte, es sei gar nichts mehr da.

Mein offenes G-Zentrum ist vermutlich mit ein Grund, warum diese Frage bei mir besonders laut wird – aber das ist ein Thema für einen anderen Text, nicht für heute. Wenn mich früher jemand nach meinem Job fragte, kam die Antwort automatisch, fast stolz. Jetzt blieb mir das Wort im Hals stecken, weil "ich weiß es gerade nicht" in unserer Leistungsgesellschaft nach Scheitern klingt, auch wenn es das nicht ist.

Handgeschriebene Notizen und eine Tasse Tee – Tagebucheintrag zur Burnout-Erholung als Human-Design-Generator

Vom Manifestor-Ehrgeiz zum Generator-Alltag

Im Herbst letzten Jahres wollte ich unbedingt wieder "Output" liefern, also rief ich an einem Nachmittag drei Agenturen kalt an, nur um zu zeigen, dass ich noch da bin. Danach war ich zwei Tage lang komplett platt, körperlich krank vor Erschöpfung.

Mein Basis Reading hat mir später gezeigt, warum das so kläglich gescheitert ist: Ich bin Generator, keine Manifestorin – auch wenn ich mich die ganzen Jahre im Marketing komplett anders verhalten habe. Diese alte Manifestor-Konditionierung sitzt tief, sie meldet sich noch heute, wenn ich eine Stellenanzeige sehe, die perfekt klingt.

Was genau ein Generator oder eine Sakralantwort im Detail ist, kannst du im Wikipedia-Eintrag zum System nachlesen. Ich erkläre das hier bewusst nicht, weil es für diesen Text zu weit führt. Für mich zählt vor allem, dass meine Strategie das Reagieren ist, nicht das Losrennen, und dass genau dieses Reagieren monatelang gefehlt hat.

Die Online-Gruppe, die es schlimmer gemacht hat

Vor ein paar Wochen bin ich einer Online-Community für Menschen nach Burnout beigetreten, weil ich dachte, der Austausch würde guttun. Es hat mich schlechter zurückgelassen als vorher. Zu viele Vergleiche, zu viele Leute, die ihre Genesung fast wie eine neue Leistungsschau vor sich hertrugen. Ich bin nach kurzer Zeit wieder ausgetreten.

Dass gerade Generatoren beim Burnout ein ziemlich typisches Muster zeigen – sich über Output zu erschöpfen, ohne auf die eigene Sakralantwort zu hören – hab ich seitdem öfter gehört, auch wenn ich das hier nicht weiter auffächere. Was ich daraus mitnehme: Dieses Sich-über-Leistung-definieren, egal ob im Job oder in der eigenen Erholung, ist ziemlich genau das, was man in Human Design als Not-Self-Frustration beschreibt, wenn ein Generator dauerhaft gegen die eigene Energie arbeitet. Mehr dazu hab ich später auch in einem Artikel zu typgerechtem Arbeiten als Lösung gegen Erschöpfung aufgeschrieben, falls dich das interessiert.

Blick aus dem Fenster in der Karlsruher Südstadt – Pause im Prozess des Marketing-Karrierewechsels

Am Rheinstrand ohne Ziel gehen

Der Weg am Rheinstrand bei Rappenwört hat keine Beschilderung, die sagt, wo es hingeht, genauso wenig wie meine Suche gerade. Ich laufe da inzwischen fast jeden zweiten Tag, ohne Kopfhörer, ohne Ziel, nur um aus der Wohnung zu kommen.

Auf dem Rückweg treffe ich neulich Halima aus dem ersten Stock, die hier gefühlt jeden zweiten Menschen kennt. Sie erzählt mir im Vorbeigehen, dass eine ehemalige Kollegin von mir inzwischen auch nicht mehr im Marketing arbeitet, und wir lachen kurz darüber, wie viele von uns gerade neu anfangen.

In Woche sechs ohne Job hab ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten das Notizbuch aufgeschlagen und eine ganze Stunde durchgeschrieben, ohne ein einziges Mal auf die Uhr zu schauen. Das war neu. Vorher hatte ich immer im Kopf, wie viel Zeit ich mir "erlaube", bevor ich wieder produktiv sein muss.

Was am Küchentisch übrig bleibt

Der Küchentisch, an dem ich das hier schreibe, hat an den Ecken längst keine Schutzschicht mehr. Ein eigenes Arbeitszimmer hatte ich nie, Notizbuch und Laptop liegen einfach nebeneinander, und weil das Fenster zum Hinterhof zeigt, wird es hier drin erst spät am Vormittag richtig hell.

Diese Woche hat mir eine Leserin namens Viveka aus München geschrieben und mir einen Satz zurückgeschickt, den ich selbst vor drei Monaten in einem anderen Text getippt hatte. Ich hatte ihn komplett vergessen – aber er hat immer noch gestimmt, und es war seltsam, mir selbst beim Wachsen zuzusehen, aus einer fremden Mailbox heraus.

Mein Business Reading [Mein Wendepunkt] war irgendwann der Punkt, an dem ich angefangen habe, das alles ernster zu nehmen, statt nur darüber nachzudenken. Es hat mir keine fertige Antwort gegeben, aber eine Erlaubnis, langsamer zu suchen. Wie ich meine Strategie und Autorität im Beruf seitdem nutze, hab ich in einem eigenen Artikel festgehalten.

Der Selbstwert hängt nicht an der Signatur unter einer E-Mail, und er ist auch keine Kennzahl, die man optimieren muss. Das ist die eine Sache, die ich aus diesen sechs Wochen wirklich mitnehme: dass ich aufhören kann, mich über das zu definieren, was ich gerade nicht tue. Wenn du gerade an einem ähnlichen Punkt stehst, war für mich das Business Reading zumindest ein ehrlicher Anfang – aber nimm dir Zeit, es ist kein Sprint.

Ich klappe das Notizbuch jetzt zu. Der Tee ist kalt, in der Küche wartet noch der Abwasch, und das ist völlig in Ordnung so.

Mal kurz:
Was Sie hier lesen, spiegelt meine persönliche Erfahrung wider — keine professionelle Beratung. Informieren Sie sich eigenständig und konsultieren Sie die entsprechenden Fachleute, bevor Sie Änderungen an Ihrer Gesundheit, Ernährung oder Ihren Finanzen vornehmen.